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Kuzdere
ist noch ein unabhängiges Dorf, aber es liegt nur wenige
Kilometer westlich von Kemer am Fuß der Berge und wird bis 2009
wohl auch eingemeindet werden. Bisher hat sich die Bevölkerung
in Abstimmungen noch immer gegen den Stadt-Status ausgesprochen.
Viele fürchten (zu Recht), dass damit auch Stadtplanung und
ähnliches Einzug halten und sie ihre ohne öffentliche
Genehmigung erbauten Häuser dann womöglich abreißen müssen.
Noch wird aber munter weiter gebaut. Ein besonders
abschreckendes Beispiel sind die Häuser aus dem Komplex
"Villa Kuzdere". Auf einem relativ kleinen Grundstück
stehen so an die 2 Dutzend Doppelhäuser der Einfachbauweise.
Diese wurden ausschließlich an Ausländer verkauft, einzelne
sogar gleich mehrmals an verschiedene Parteien. Da aber zu viele
Häuser auf dem Grundstück stehen erhielten die Käufer die
wichtigen Papiere (Grundbucheintrag, Wohngenehmigung...) nicht.
Sie
waren also in keinster Weise rechtlich abgesichert und konnten
nun ihrerseits die teuer erworbenen Ferienhäuser auch nicht
weiter verkaufen. Immer wenn ich erwähne, dass wir in Kuzdere
wohnen, fragt man mich mitleidig, ob in "Villa
Kuzdere", glücklicherweise kann ich das verneinen.
Wahrzeichen
von Kuzdere sind die "Karataş" (sprich Karatasch),
schwarze Felsformationen, die mitten aus dem ehemaligen
Flussbett aufragen und auch bei Bergsteigern beliebt sind.
Allerdings sollte man auch hier immer sein Handy dabei haben,
damit man sich wie der eine Bergsteiger vor ein paar Jahren,
notfalls mit dem Hubschrauber vom Gipfel aus Bergnot abholen
lassen kann. (Eine Stunde Hubschrauber chartern kostet ja nur
1000
Euro). Die Karatasch sind ein beliebtes Wanderziel, aber auch mit
dem Dolmus von Kemer aus gut zu erreichen (pro Strecke ca 1 Lira).
Selbst wenn man sie nur ein kleines Stück raufklettert (feste
Schuhe!) hat man gute Ausblicke in die Umgebung. Beim Klettern
im Sommer sollte man daran denken, dass es in der Gegend einige
Giftschlangen gibt, die man vielleicht gerade beim Sonnenbaden
stört.
Eine
Kuriosität findet man vor einem Teehaus im alten Ortskern: Hier
kommt Wasser aus einem Baum! Auch sonst zeigt das Dorf ganz
normales türkisches Landleben und ist weitgehend unberührt vom
Tourismus, wenn man mal davon absieht, dass viele neue Familien
zugezogen sind, die in den Hotels und Geschäften arbeiten.
Jeden Donnerstag ist Markt hinter der Schule, direkt am
Flussufer. Hierher verirren sich nur wenige Touristen und so
sind die Preise noch weitgehend normal. Die Dorfbevölkerung
kauft praktisch alles, was sie benötigt auf dem Markt.
Außerdem gibt es aber auch alle paar hundert Meter einen Bakkal
(Lebensmittelladen), für die Dinge des täglichen Bedarfs.
Die
Grenze zu Kemer bildet der Fluss, der im Winter binnen Stunden
zu einem reißenden Strom werden kann, im Sommer aber immer
austrocknet und als Kiesgrube genutzt wird. Ende Dezember 2003
gab es tagelange schwere Regenfälle in den Bergen und das
Flussbett konnte die Wassermengen nicht mehr schnell genug ins
Meer ableiten, die beiden Brücken über den Fluss wurden
weggerissen, ebenso wie einige Häuser und Gewerbebetriebe, die
zu dicht am Ufer standen. Das Flussbett ist heute viel breiter
als vor der Flut. Inzwischen hat man zwei neue Brücken gebaut
und letzten Winter haben sie den Fluten standgehalten.
Doch so ganz scheint man dem
Frieden nicht zu trauen und so wurden im Herbst 2005 an der
großen Brücke (neben der Schule) noch lange und starke
Flügelmauern
errichtet, welche die Wassermassen von den
Brückenfundamenten am Ufer fernhalten sollen. Anscheinend war man von
dem Ergebnis so begeistert (oder hatte noch Geld im Jahresetat
übrig), dass man am 6. Dezember auch noch mit Bauarbeiten an der
oberen (kleineren) Brücke angefangen hat. Sie soll verbreitert
werden, zwei zusätzliche Durchlässe bekommen und ebenfalls durch
massive Seitenmauern geschützt werden. Dazu hat man jetzt erstmal
die Straße gesperrt und die
Brückenzufahrt auf der Kuzdere Seite entfernt um hier die neuen
Durchlässe einzufügen. Es wird nun Tag und Nacht mit schwerem Gerät
gearbeitet, um noch vor den winterlichen
Regenfällen fertig zu werden. Mal sehen, ob diese Rechnung
aufgeht. Verglichen mit der unteren Brücke schien uns die obere
von Anfang an unterdimensioniert zu sein. Es standen
nur fünf Durchlässe gegen siebzehn.
Wie wir wissen verfügt das hiesige
Wasser wirklich über einige Besonderheiten. So dachte man auch
beim Einbau unserer Badewanne, dass es bergauf laufen müsste und
neigte diese so, dass der Abfluss nicht an der tiefsten Stelle liegt. Verdammte
Wischerei nach jeder Benutzung! So ähnlich ergeht es auch dem Flussbett. Unkontrolliert den ganzen Sommer über
als Kiesgrube geplündert, wird
der Querschnitt verengt und das Wasser läuft Zickzack hin und
her und unterspült alle paar hundert Meter die Ufer, statt mit
einer gebahnten Rinne von diesem fern gehalten zu werden. Wenn es
dann soweit ist und die Flut kommt, werden eilends aus den umliegenden Bergen Steine
heraus geholt und an den Böschungen abgekippt. Das damit die
terrassenartige Hangstruktur zerstört wird und das Regenwasser
nun noch schneller in den Fluss schießt, wird in Kauf genommen.
Der befragte Wasserbauingenieur wusste jedenfalls nichts von
solchen Problemen.
So ist das halt mit unserem Wasser, es hat doch immer wieder
Überraschungen parat. Wir werden diese "feuchtfröhliche" Sache
im Auge behalten und berichten.
Mitte 2008
haben wir eine kleine
Diashow zu "unserem Fluss", dem Ağva
(sprich Ah-wa), zusammengestellt. Meistens sieht man ja gar
keinen Fluss, sondern nur das steinige Flussbett. "Wo kommen
denn hier die vielen Steine her? - Die bringt der Fluss aus den
Bergen mit! - Welcher Fluss, ich sehe nur Steine, wo ist denn
der Fluss? - Der ist gerade in den Bergen, Steine holen!" Wie
bereits erwähnt, manchmal ist da ein reißender Fluss, aber die
letzen Winter waren sehr trocken. Hoffentlich hat sich da der
eine oder andere hiesige Häuslebauer nicht arg verkalkuliert und
die Kraft des Wassers unterschätzt. Im Sommer 2007 haben Joe und
mein Sohn Thomas mal den oberen Teil des Flusslaufes erkundet,
da "wo er die Steine herholt". Lesen Sie
hier den Bericht zur Canyon Tour.
In der Nähe unseres Hauses entstand in
den letzten Jahren ein neuer Ortsteil mit etlichen
Mehrfamilienhäusern. Jetzt bekommen diese Häuser auch eine
richtige Zufahrtsstraße. Bilder von den Bauarbeiten
hier.
Zum Leben in einem Dorf gehören
auch Feste und Feiern, hier Bilder
von einer Dorfhochzeit. Wir wissen, dass wir als Ausländer
nicht in die türkische Gesellschaft integriert werden, aber wir
freuen uns, wenn man uns akzeptiert und zu großen und kleineren
Festen einlädt.
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