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In der Region Kemer gibt es bereits unzählige Hotels aller Kategorien mit über 100.000 Betten und in jedem Winter kommen neue dazu. In den Sommermonaten von Juni bis Oktober herrscht in Kemer Bauverbot, damit die Touristen nicht durch den Baulärm gestört werden. In der Vorsaison von März bis Mai ist dann immer Endspurt und überall sind Betonpumpen im Einsatz. Andere Hotels werden renoviert, die Wasserschäden überpinselt und vielleicht hier und da noch schnell eine Etage aufgestockt. Ganz zum Schluss werden dann Wege und Gärten angelegt und schließlich sieht alles wieder sauber und grün aus.

In der Türkei gibt es verschiedene Kategorien von Unterbringungsmöglichkeiten, Zimmer mit Dusche und WC gehören in der Kemer Region allgemein zum Standard. Die Zuordnung zu den verschiedenen Kategorien erfolgt auf Antrag nach landeseigenen Standards. Es gibt Hotels mit 1-5 Sternen, Feriendorfanlagen (Tatil köyler) und Pensionen. 

Die Pensionen (Pansiyon) sind oft kleine Familienbetriebe mit wenigen Zimmern und bieten meist nur Übernachtung mit Frühstück an. Die Zimmer sind eher einfach aber zweckmäßig eingerichtet. Gerade für den Individualurlauber, der mehr von Land und Leuten kennen lernen will, können diese preiswerten Unterbringungsmöglichkeiten ein echter Geheimtipp sein.

Die Feriendorfanlagen (Clubanlagen) variieren in Größe und Ausstattung, häufig sind neben dem Hauptgebäude noch zahlreiche kleinere Gebäude im Gelände verstreut, man kann hier Zimmer, kleine Ferienwohnungen oder eine ganze Villa mieten. In der Türkei heißen solche Anlagen "Tatil Köy" und da diese in Kemer natürlich alle erstklassig sind "Birinci Sinif Tatil Köy" (als Übersetzung habe ich schon "Erste Klasse Feiertags Dorf" gesehen) Diese haben als erste das Bargeld innerhalb der Clubanlage abgeschafft, man kaufte Perlen (Boncuk) für die man Getränke erhielt. Heute haben alle Clubanlagen ein All-Inklusive-Programm. Die erste Feriendorfanlage in Kemer war der heutige Club Med, 1972 von einer italienischen Firma erbaut und einige Jahre von dieser auch betrieben. Wer in einem Ferien-Club Urlaub macht, darf im Sommer mit ständiger mehr oder weniger (meist mehr) lautstarker Animation rechnen. Das fängt mit dem Lautsprecheraufruf zum Frühsport (Ich will aber noch schlafen...!) an, geht weiter mit heiteren Spielchen zu denen extra angestellte Animateure die Gäste ständig auffordern, hin zur Disko bis tief in die Nacht. Nix da mit Faulenzen im Urlaub! Vielleicht haben Sie ja ein Abkommen mit den Organisatoren von Tagesausflügen...

Hotels gibt es in allen Größen und Preisklassen: Kleine, mehr oder weniger gemütliche Häuser mit 20 Zimmern, bis hin zu Prachtbauten in Marmor und Chrom und mit über 1.000 Betten. Wer in seinem Reisekatalog ein 3 Sterne Haus angeboten findet, muss wissen, dass dies vergleichsweise immer noch ein sehr einfaches Haus ist. Er kann nicht immer Klimaanlage oder Heizung erwarten, das Hotelrestaurant besteht meist nur aus Tischen auf der Terrasse am Pool (falls vorhanden), in den Zimmern gibt es Bett, Stuhl und Schrank. Natürlich gibt es auch weaentlich besser ausgestattete 3 Sterne Hotels, aber man sollte halt nicht zu viel erwarten. Bei 4 oder 5 Sterne Hotels der Landeskategorie kann man eigentlich nicht viel falsch machen, aber wer hier einen Luxus und Service wie in einem großen Hilton-Hotel erwartet, sollte mal überlegen, dass man dort für eine Nacht soviel zahlt wie in Kemer für eine ganze Woche (und das womöglich noch mit Flug). Es sind halt eher 5 Sonnenblumen als Sterne.

Ergänzend möchten wir jetzt (Sommer 2007) hinzu fügen, dass die Inflation der Sterne (Sonnenblumen) in letzter Zeit immer wildere "Blüten" treibt. Jedes neue Hotel heftet sich die fünf Sterne ans Portal, obwohl es von der Bauweise und Lage eher einer Jugendherberge nach europäischem Standard gleicht. Das "All-inklusive" Angebot hat sich durchgesetzt, aber die Preise sind durch die starke Konkurrenz eher gefallen. So muss gespart werden, am Essen, an den Getränken (man kann fast alles verdünnen, sogar Bier und Raki!) und an den Personalkosten. Einen echten 5 Sterne-Koch wird man aber für die 800 Euro Monatsgehalt auch in der Türkei nicht finden. Durch schlechtes Management und unqualifiziertes Personal kann man das beste Hotel in kurzer Zeit herunter wirtschaften. Wenn man bedenkt, das mit Saisonbeginn allein in der Region Kemer Hotels mit 7500 neuen Betten in Betrieb gegangen sind, kann man in etwa erahnen wie sich so etwas auf die Qualität auswirkt.

Das größte Problem für den Tourismus in der Türkei ist eben sein eigener Erfolg, d.h. die Bettenkapazitäten werden viel schneller ausgebaut als qualifiziertes Personal ausgebildet werden kann. Zu Saisonbeginn startet dann das große "Headhunting", neue Hotels werben Personal ab. Allein 2005 haben in der Provinz Antalya über 20 neue 5 Sterne Hotels mit etwa 12.000 Betten aufgemacht. Diese brauchen schätzungsweise 12.000 Mann/Frau an Personal, von den Hotelfachschulen kommen im Jahr in der gesamten Türkei aber nur 7.000 Absolventen auf den Markt. Bis vor wenigen Jahren gab es noch nicht einmal Hotelfachschulen. Logisch, dass manche Hotels deshalb nehmen müssen was sie kriegen können und das Personal erst bei laufendem Betrieb angelernt wird. Dieses "learning by doing" führt dann dazu, dass man auch als älterer Gast höflichst gefragt wird "Was trinkst Du?" - nicht aufregen (Sie wissen jetzt ja warum) und denken - Kaya lässt grüßen!

Da die großen Reiseveranstalter im Voraus Bettenkontingente in den Hotels und Clubanlagen kaufen, können diese ihre Reisen oft billiger anbieten als die Hotelzimmer im Inland bei Einzelbuchung kosten. Das gilt besonders, wenn man weitere Leistungen wie Flug und Transfer von und zum Flughafen mit einrechnet. Wer trotzdem sein Hotel selbst buchen möchte, sollte versuchen einen günstigeren als den zuerst angebotenen Preis auszuhandeln. Die Zimmerpreise, die an der Rezeption stehen, sind wohl eher Wunschvorstellungen oder dazu gedacht dem Pauschalurlauber ein Schnäppchen vorzugaukeln.