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RODIAPOLIS

 

Wir schreiben Ostersonntag im Jahre A.D. 2008. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es ab zum Strand, aber leider ist es trotz ca. 22 Grad Lufttemperatur nicht warm genug zum Baden, denn die Sonne versteckt sich hinter Schleierwolken. Da werde ich, Joe, wenn ich aus dem etwa 17 Grad kühlen Wasser komme, nicht hinreichend erwärmt. Das war’s denn mit dem Osterbad, „maaaleseeef“.

Na ja, kein Beinbruch und kurz entschlossen fahren wir weiter nach Rhodiapolis, der bis dato für uns unerreichbaren antiken Stadt nahe Kumluca. Die Fahrt auf der D-400 in Richtung Süden verläuft ohne Probleme. Auch den richtigen Abzweig finden wir dank Hinweisen aus dem Internet, „an der 3. Ampel von Kumluca in Richtung Altinyaka nach links“, diesmal auf Anhieb. Schwieriger wird es erst, als wir uns nach dem Durchwuseln zwischen etlichen Gewächshäusern auf dem direkten Anfahrtsweg nach Rhodiapolis befinden. Aber die weggeschwemmte Brücke, die uns vor zwei Jahren den Weg versperrte, ist wieder einigermaßen hergerichtet. Doch die Piste ist stellenweise wirklich grauselig und wir hoffen, nur zu zweit in unserem 16 Jahre alten Nissan, den Burgberg unbeschadet erklimmen zu können. Nach etlichem Gepolter haben wir die Schotter/Sandpiste bis zu einem Punkt gemeistert an dem Ina einen endgültigen Stopp gebietet. Später werden wir wissen, dass wir damit goldrichtig lagen. Wie wir aus unserem „Kemeraner Tageblatt“ (Kemergözcü) entnehmen konnten, soll an dieser Stelle ein festes Gebäude für die Ausgräber der nächsten Kampagnen errichtet werden.

Den Blick nach oben gerichtet erkennen wir erste Mauern und einen Trampelpfad, der abseits des Fahrweges direkt dorthin zu führen scheint, nicht zu steil und eine gute Abkürzung. Bereits hier fallen uns die Unmengen an Tonscherben auf, die überall am Boden verstreut liegen. Für uns ist klar, dass es hier in grauer Vorzeit ein florierendes Anwesen gegeben haben muss, auch wenn nur wenige eindeutige Siedlungsreste zu sehen sind. Hinter den ersten Mauern geht es ein Stück steil bergab und bergauf bis wir wieder auf den Weg zum Stadtberg treffen.

Und dann sind wir plötzlich mitten drin in Rhodiapolis. Die Grabungen türkischer Archäologen unter der Leitung von Prof. Dr. Nevzat Çevik von der Akdeniz Universität aus den Jahren 2006 und 2007 haben große Teile der antiken Stadt erneut dem Dornröschenschlaf entrissen. (siehe dazu auch den Grabungsbericht 2006 )

Erstmal beschrieben wurde Rhodiapolis von T.A.B. Spratt, der 1842 im Auftrag der britischen Marine und des archäologischen Museums in London die Gegend bereiste. Doch nachdem Archäologen aus Österreich Ende des 19. Jahrhunderts Teile erkundet und freigelegt hatten, waren nicht nur Gras über die Ruinen gewachsen, sondern auch hohe Bäume. Die antiken Ruinen wurden erst wieder bekannt, als vor einigen Jahren ein Waldbrand auf dem Hügel ausbrach und man während der Löscharbeiten direkt auf sie stieß. Das weckte dann den Forscherdrang und diesem Ort wurde erhöhte Aufmerksamkeit zu teil.

Wie man inzwischen weiß, stammt der Name Rhodiapolis von den alten Siedlern aus Rhodos, die hier eine Polis (Stadt) der Rhodier, halt Rodiapolis, gründeten. Bereits vorher gab es hier wahrscheinlich eine lykische Siedlung. Der genaue Zeitpunkt der ersten Besiedlung ist noch unklar. Was für uns wichtig ist, wir haben an Hand eines in den Mauern gefundenen Steins mit einer Inschrift wirklich einen Beweis für den Namen der Stadt gesehen. Allerdings können wir beide kein Griechisch, doch Joe hat ja mal Russisch gelernt und die kyrillische Schrift hat zahlreiche griechische Buchstaben übernommen. Da steht in großen Lettern –„diapol“- geschrieben, ergänzt durch Buchstaben aus weiteren dort zu sehenden Schrifttafeln war es nahe liegend den Schriftzug „RODIAPOLIS“ zu rekonstruieren. Diese Spolie, verwendet zur Erneuerung einer Mauer durch spätere Bewohner der Stadt, ist ein wahrer Glücksfall. Jedenfalls waren wir wie elektrisiert und haben den Ort eingehend erkundet und unzählige Photos gemacht. Unsere Auswahl soll ein „look and feel“ rüberbringen, welches weitere Besucher begeistert und anlockt, um diesen Ort für immer der Vergessenheit zu entreißen. Eine Diashow mit den rechts gezeigten und weiteren Bildern finden Sie hier.

Neben dem Theater stehen noch Überreste eines Grabmals für den größten Gönner der Stadt, Opramoas, der seine Taten für die Stadt und die Umgebung mit langen Texten in Stein meißeln ließ und damit die Wände seines Grabmals schmückte. Das ist auch im heutigen Computerzeitalter immer noch die dauerhafteste Methode der Datenspeicherung, aber leider wenig praktikabel! Man stelle sich nur mal vor alleine die Texte unserer Hompage auf Steintafeln zu speichern, da hätten Heerscharen von Steinbrucharbeitern und Steinmetzen mehr als eine „abendfüllende“ Aufgabe. Von bunten Bildern ganz zu schweigen.

Die bisher freigelegten Teile dieser antiken Stadt sind vielleicht nicht mit denen in Perge oder Aspendos zu vergleichen. Dafür liegt Rhodiapolis für uns nicht weit weg und bietet bei klarem Wetter von seinem Hügel aus einen herrlichen Panoramablick. Was wir an Bauwerken, mehr oder weniger gut erhalten, gesehen haben, zeugt von wirklicher meisterlicher Baukunst und Weitsicht, um eine solch große Stadt auch unter unwirtlichen Bedingungen am Leben zu erhalten. So gab es im Stadtgebiet keine Quelle und das Wasser musste über einen Aquädukt (haben wir noch nicht gefunden) herangeführt werden, um dann in unzähligen überdimensionalen gemauerten Zisternen gespeichert zu werden.

Es gäbe noch etliche weitere Details zu dieser antiken Stadt zu berichten, aber das würde mal wieder den Rahmen unserer Seiten sprengen. Interessierten verraten wir bei einem gemeinsamen Besuch gerne mehr.

Natürlich erhält dieser Ort unsere Empfehlung für einen Besuch für alle Touristen von Kemer, zumal er einen deutlich anderen Eindruck als z.B. Phaselis vermittelt. Bisher gibt es zwischen Kemer und Kumluca noch keine Goldfabriken, Teppichknüpfereien oder riesige Andenkenläden, in die bildungshungrige Reisende abgeschleppt werden könnten. Zu erreichen ist Rhodiapolis per Mietwagen oder mit dem Bus nach Kumluca und dann weiter mit dem Taxi (ca. 8 km vom Zentrum der Stadt entfernt).

Als kleiner Nachsatz sei noch bemerkt, dass der türkische Immobilienmakler, den wir später in den Ruinen getroffen haben und der einem französischen Ehepaar die „Liegenschaft“ gezeigt hat, doch etwas zu weit mit seinem Auto vorgefahren war. Als er später mit seinem normalen Pkw zurück wollte, blieb er in der Steigung des steinigen Weges stecken. Wir hoffen, dass ihm die nachfolgende Streife der Jandarma entsprechende Anschubkraft verliehen hat, um wieder in die Stadt zurückkehren zu können.