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Die
landschaftliche Schönheit und der Abwechslungsreichtum der
Bergwelt hinter Kemer ist eines der best gehüteten Geheimnisse.
Kaum einer der Touristen, die den ganzen Tag am Strand liegen,
weiß was für eine schöne Gegend es da zu
entdecken gibt. Es gibt zwar Jeep-Safaris in die Berge, aber das
ist mit Abstand der schlechteste Weg diese kennen zu lernen. Man
stelle sich vor in einer Kolonne von 15 offenen Jeeps mit kaum
vorhandener Sitzpolsterung über staubige Straßen zu holpern
und die ersten drei Jeepfahrer versuchen die Streckenrekorde der
"Rallye of Turkey" zu brechen. Die armen Passagiere
der hinteren Jeeps müssen jede Menge Staub schlucken, die Wolke
hängt nach lange über der Straße, wenn der letzte Jeep schon
längst vorbei ist.
Waren derartige Strapazen vor ein paar Jahren noch notwendig, um
überhaupt in die Berge zu kommen, so gibt es inzwischen genügend
ausgebaute und asphaltierte Straßen, um sie mit jedem Auto zu
erkunden. Es gibt auch einige Wegweiser und wenn man lange genug
sucht, sogar brauchbare Landkarten, die nicht völlig veraltet
sind. Durch die bereits erwähnte Rallye, die dieses Jahr wieder in den Bergen zwischen Antalya-Kemer-Kumluca
stattfand, wurden auch mehrere neue interessante Routen
gebahnt. Hier finden auch Off-Road-Fans noch Herausforderungen.
Allerdings sollte man den kleinen Suzukis, den gängigstigen Miet-Jeeps, nicht
allzu viel zumuten. Und bitte nie ein "DSCHEP" (Handy)
vergessen! Wer nicht selbst fahren will, kann auch an einer der
Unimog-Touren von Mustafa Keskin teilnehmen.
Selbst Fußgänger können ohne viel Aufwand einen ersten Eindruck
erhaschen. Dazu fährt man mit einem Dolmus von Kuzdere Tur
(Richtung Selale Yolu) bis über die kleine Brücke zwischen
Aslanbucak und Kuzdere und steigt vor dem "River Side
Hotel" aus. Nun läuft man in Richtung "Vadi"
(Schlucht), das heißt etwas bergauf. Nach wenigen hundert
Metern betritt man den Nationalpark "Kezme Bogazi".
Nun führt die Straße einen wirklich atemberaubenden Canyon
entlang bis man nach ca. 3 km die alte "Römerbrücke"
erreicht hat. (Ich weiß nicht ob die Brücke wirklich von den
Römern stammt, aber jedenfalls ist sie alt und der Fluss hat
sich unter ihr schon mehrere Meter tief ins Gestein gegraben.)
Hier kann man nun an einem kleinen Restaurant schon fast im Flussbett
Rast machen, gegrillte Forelle essen oder etwas
Kühles trinken. Zur
Abkühlung geht es in den Wildwasserbach, selbst im heißesten
Sommer hat das Wasser höchstens 18 Grad. Der Begriff
"Whirlpool" bekommt hier eine völlig neue Bedeutung!
Im
Frühling und Herbst kann man nun weiter bergauf wandern, im
Sommer ist es fast immer zu heiß dafür, da empfiehlt sich ein
Auto, Taxi etc. um nach etwa 8 km in das Bergdorf Gedelme (ca.
800m hoch gelegen) zu gelangen. War dieser Ort vor ein paar
Jahren nur die "Sommerresidenz" der Einheimischen, die
mit ihren Ziegen auf die Almen zogen, so entwickelt er sich
immer mehr zum Ferienort für Leute, die die wesentlich
kühleren Nächte in den Bergen zu schätzen wissen. Etwa 8 km von Gedelme auf 1250m Höhe gibt es auch
ein erstes Hotel für
Touristen, die die Bergwelt dem reinen Strandurlaub vorziehen.
Hier hat man an klaren Tagen eine herrliche Rundumsicht auf die
Berge und bis zum Meer.
Gedelme
liegt an einem strategisch günstigen Punkt. Von hier aus
kontrollierte man früher den Zugang zum Pass über den Taurus,
einstmals der einzige Landzugang zu der bedeutenden Hafenstadt
Phaselis. Davon zeugen noch die Ruinen einer alten Burg, von uns
"Kreuzritterburg" getauft. Dafür haben wir zwar
keinen echten Beleg, aber beim zweiten Kreuzzug kam man auch
hier vorbei und schon 1500 Jahre früher zog Alexander der
Große über diese Berge nach Phaselis. An den Ufern eines
Bergbaches neben der Burg findet man uralte Platanen, eine hat
einen Stammdurchmesser! von 8 Metern. Der ideale Fotopunkt für
kräftig gebaute Leute, die mal richtig schlank aussehen wollen.
Oberhalb
der Burg liegt der Eingang zu einer tiefen Höhle mit einigen
beeindruckenden Tropfsteinen. In den letzten Jahren wurde diese
Höhle für die Touristen erschlossen. Man baute eine
Betontreppe (ohne Geländer) und Beleuchtung ein. Im Winter
nutzt man sie anscheinend auch als Depot für Orangen und
Granatäpfel, leider aber auch als Müllkippe für verdorbene
Früchte. (Echt atemberaubend!)
Fährt
man von Gedelme an der Moschee vorbei weiter bergauf erreicht
man nach einigen Serpentinen den Pass und ist nun auf einer
Hochebene bei etwa 1000m. Rundherum ragen steile Berge auf und
wäre da nicht ab und zu eine Moschee in den kleinen Dörfern,
könnte man meinen in der Schweiz zu sein. Von einigen Stellen
hat man auch einen Blick bis aufs Meer. Man kann der Straße
Richtung Norden folgen und kommt schließlich nach Antalya (ca.
40km) oder man fährt am Abzweig weiter nach Südwesten und
über Altinyaka bis nach Kumluca (ca. 60km). In jedem Fall
wunderbare Touren mit reichlich Fotomotiven. Eine
Sommerbergtour von Kuzdere
über Gedelme nach Altinyaka und weiter über eine Hochebene bis
nach Beycik beschreiben wir
hier.
Freunde von uns sind im Februar
2008 ein Stück entlang des "Lykischen
Pfades" gewandert, Anke hat uns
ihren
Bericht zur Verfügung gestellt.
Aus leider gegebenen Anlass möchte ich hier ganz dringend darauf
hinweisen keine Bergtouren alleine und ohne Handy zu
unternehmen. Es kann einem immer etwas passieren, durch einen
Sturz oder auch einen Schlangenbiss und dann ist schnelle Hilfe
lebenswichtig. Ein eingeschaltetes Handy kann im Notfall geortet
werden und die Suchtrupps wissen dann wenigstens in welchem
Gebiet sie zu suchen haben. Es ist mehr als leichtsinnig sich
ohne feste Routenangaben und ohne jede Kontaktmöglichkeit zur
Außenwelt zu Fuß auf den Weg in die Berge zu machen. Das Gestein
ist nur scheinbar massiv, im Grunde aber überall porös und
bröckelig, bricht daher schnell ab und kann Stürze versuchen. In
Gesteinsritzen kann alles mögliche mehr oder weniger giftige
Viehzeug hausen, es gibt Giftschlangen in den Bergen. Es gibt so
viele Schluchten oder plötzliche steile Abbrüche, dass ein
Verletzter auch aus der Luft kaum gefunden werden kann. So wurde
vor einigen Jahren ein Tourist erst nach einer Woche tot
gefunden, der in dem kleinen Stück zwischen Kiris und Kemer
Schmetterlinge fotografieren wollte. Er war von einer Schlange
gebissen worden und in einen Spalt zwischen zwei Felsen
gestürzt. Im Sommer 2005 musste man über 10 Tage
suchen bis man die Leiche eines Bergsteigers fand, der als Ziel
nur den Tahtali Berg genannt hatte und schließlich in der
Schlucht bei Göynük 25m tief abgestürzt war.
Das leichtsinnige Klettern in
dieser Schlucht wurde ebenfalls im Sommer 2005 einem 25-jährigen
deutschen Touristen zum Verhängnis. Bei einem Sturz aus wenigen
Metern Höhe zog er sich einen tödlichen Genickbruch zu. |