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Wer Kemer schätzen und lieben
gelernt hat, spielt vielleicht irgendwann mit dem Gedanken, sich
hier eine Wohnung oder ein Haus mit Garten zuzulegen. Jederzeit
Urlaub in den eigenen vier Wänden machen zu können, abseits vom
Trubel der Hotels zu wohnen und später im Ruhestand vielleicht
mehrere Monate in angenehmeren Klima als in Deutschland zu
verbringen. Das sind die Träume der Urlauber - und deshalb sind
diese sehr aufgeschlossen für die zahlreichen Angebote der
vielen Makler
(Emlakci - sprich Emlaktschi).
An der türkischen Ägäis und
Riviera wurden in den letzten 20 Jahren hunderttausende
Ferienhäuser erbaut, zum allergrößten Teil (>95%) für türkische
Familien. Aber auch immer mehr Ausländer kaufen hier Häuser und
verwirklichen sich ihren Traum. In der Provinz Antalya sollen
angeblich schon 10 000 Deutsche leben, der größte Teil in der
Gegend von Alanya. Die Türkei ist inzwischen eine echte
Alternative zu Spanien, Italien oder Südfrankreich geworden.
In der Region um Kemer sind es
vor allem Engländer und Skandinavier, die Häuser oder Wohnungen kaufen,
aber es gibt auch einige deutsche Familien. Die meisten nutzen
ihr Haus nur zeitweise und haben ihren festen Wohnsitz weiterhin
im Heimatland. Nur wenige sind ganz in die Türkei
umgezogen und leben hier Sommer wie Winters. Beides hat seine
Reize und zusammengenommen ist es sehr abwechslungsreich.
Wenn man im Sommerurlaub die
herausgeputzten Villen mit ihren großen Wohnzimmern mit Kamin und
Marmorboden, Swimmingpool und Dachterrasse besichtigt, ist man
sehr schnell begeistert. Der Makler wird Ihnen schon klarmachen
(wollen), dass es für genau dieses Anwesen noch etliche Interessenten
gibt, er aber gerade für Sie den absoluten Schnäppchenpreis anbieten kann
und man sich nur ganz schnell entschließen müsste
(Vorrauszahlungen inbegriffen!). Und genau hier
lauern die Fallen, die aus der Traumvilla schnell einen Alptraum
werden lassen. Welcher Sommerurlauber kann sich schon in die
winterlichen Bedingungen dieser Region versetzen, deren feuchte
Auswirkungen nur schnell überpinselt wurden?
Wenn ich Ihnen schon beim Kauf von
T-Shirts oder der Buchung von Tagesausflügen zu
Preisvergleichen, Aufmerksamkeit und Verhandlungsgeschick rate,
so gilt das noch hundertmal mehr für den Kauf einer Immobilie.
Leute, die in Deutschland vor dem Kauf einer Packung Eier
jedes einzelne Ei umdrehen, kaufen in der Türkei große
Häuser für weit über Hunderttausend Euro ohne jede fachlich
fundierte Kontrolle und
juristische Absicherung. Aber es gilt immer noch - Vertrauen ist gut,
Kontrolle ist besser, denn es geht um mehr als einen
Gebrauchtwagen oder gar eine Packung Eier!
Hierbei muss man zuerst die
aktuell gültige
Rechtslage in der Türkei genau kennen. Längere Zeit konnten Ausländer
keinen Grundbucheintrag (Tapu) erhalten, das Gesetz zum Verkauf
von Grundbesitz an Ausländer war außer Kraft gesetzt. Inzwischen
(2006) gibt es ein neues Gesetz, dass es Ausländern unter bestimmten
Bedingungen erlaubt, Häuser und Wohnungen zu kaufen. Vor jedem
Kauf muss unter anderem von der Militärbehörde (die
Zuständigkeit für die Provinz Antalya liegt in
Izmir) geprüft werden, ob die Immobilie nicht in einer
militärischen Sperrzone liegt. Erst nach Bestehen dieser Prüfung,
was in aller Regel etliche Wochen dauert, kann man
das Tapu erhalten. Ohne Tapu verfügen Sie über keinerlei Besitzanspruch, ganz egal was Ihnen erzählt wird. Ein vor einem Notar
geschlossener Kaufvertrag hat in der Türkei nicht die
Rechtswirksamkeit wie in Deutschland. Der Notar beurkundet nur
ihre Kaufabsicht. Sie können allerdings auf dem Tapu des
Besitzers eine Hypothek in Höhe des Kaufpreises eintragen
lassen, dann kann er Ihr Haus wenigstens nicht ohne weiteres an
einen zweiten oder dritten Käufer veräußern. Grundsätzlich
sollten Sie die Kaufsumme erst dann beim Grundbuchamt vor den
Augen von Zeugen übergeben, wenn Sie gleichzeitig Ihr Tapu
erhalten. Eigentlich versteht es sich von selbst, dass man
derartige Beträge nur gegen ordentliche Quittungen übergibt und
alle Verträge vor Vertragsabschluss schriftlich ins Deutsche
übersetzt (vereidigter Dolmetscher zwingend erforderlich!) sind. Wir erleben aber immer wieder unglaubliche
Überraschungen, wenn Leute sich betrogen fühlen und nachher zu
uns kommen. Etwaige Rechte, die man glaubte oder hoffte zu
besitzen sind sehr schwer einklagbar und oftmals blanke
Erfindungen windiger Geschäftemacher.
Die Bauqualität in der Türkei und
besonders in der Region Kemer entspricht nicht deutschen
Standards. Joe könnte immer wieder heulen, wenn er sieht, wie
das in Mengen vorhandene phantastische Baumaterial so schlecht verarbeitet wird. Es fehlen
neben Ingenieuren, Polieren und Bauarbeitern praktisch alle Leute, die auf dem Bau
fachmännisch arbeiten können. Die meisten Arbeiter haben sich nur vom Zuschauen
ein paar Techniken angenommen. Die so genannten "Usta"
(Meister) machen die Arbeit nur schon etwas länger und deswegen
aber oft auch nicht besser, wie wir am eigenen Haus erleben
durften. Die allermeisten Architekten auf die Sie stoßen sind
seltsamen Stilrichtungen verfallen, wobei das so genannte
"amerikanische Landhaus" dominiert, natürlich verziert mit türkischen Elementen, die meistens weder der Witterung noch dem
verwendeten Material gerecht werden. Über eine praktische
Nutzung solche Zierrate können aber nur Sie selbst entscheiden.
Der Pfusch beginnt leider oft
schon bei den Fundamenten, die zu schwach und nicht tief genug im Boden
verankert sind. Die Wände sind weder gegen Hitze noch gegen
Feuchtigkeit isoliert. Ziegel werden generell quer hingelegt,
man kann durch den Rohbau hindurch sehen. Das Regenwasser-Management
fehlt meist völlig. Elektrische Leitungen werden wild auf dem
kürzesten Weg quer über die Wände verlegt, meist ohne Erdung oder
Blitzschutz. Eine Steckdose pro Raum ist Standard - mehr gilt
schon als Luxus. Dafür werden die dünnen Leitungen mit so
starken Sicherungen "gesichert", dass diese bestimmt
nicht vor dem Kabelbrand auslösen.
Man könnte ganze Bücher über die
oft mangelhafte Bauweise schreiben. Ist das Haus erst mal
fertig, verdeckt der Putz die meisten Bausünden. Alles sieht glatt und
schick aus. Fertig für den arglosen Käufer, der nun noch mit
Luxus wie Marmortreppen, edlen Fliesen und Stuckdecken geblendet
wird. Dann übersieht er leicht, dass die Fliesen nicht eben
verlegt sind, die Marmortreppe kein Geländer hat und die Fenster
und Türen nicht richtig schließen. Die DIN-standardisierte
Treppe (21 cm Stufenhöhe, konstant) ist unbekannt, so dass man
zwischen unregelmäßig wechselnden 15 cm und 35 cm Höhe alles
vorfindet.
Wer sich ein fertiges Haus/Wohnung kaufen
möchte, sollte vor dem Kauf unbedingt einen unabhängigen
(unbeteiligten!) Sachverständigen hinzuziehen. Lassen Sie sich nicht in Ferienlaune zu
einem übereilten Kauf überreden. Vergleichen Sie Preise in den
türkischen Zeitungen (leicht gesagt, wenn man kein Türkisch kann),
denn von Ausländern wird gerne mal der
doppelte Preis verlangt und dabei auch mit Garantieversprechen
nicht gespart. Doch aufgepasst, mit den uns bekannten
rechtlich verbindlichen Ansprüchen hat das aber auch gar nichts zu tun!
Grundsätzlich kaufen Sie alles so wie gesehen, mündliche
Versicherungen des Verkäufers sind später vor Gericht nichts
wert.
Es gibt natürlich auch seriöse
Maklerfirmen, die Sie gut und fachgerecht beraten können, aber
es gibt auch eine Menge "Hobby-Makler", die nur auf das schnelle
Geld aus sind. Wie der Kellner aus dem Hotel, der das Haus des
Schwagers seines Bruder, was dieser von dem Onkel seiner Frau
geerbt haben soll, ganz billig wegen einer finanziellen Notlage
verkaufen soll u.s.w. u.s.w... Auch ein Büro mit einem Geschäftsschild und
Angeboten im Fenster gibt noch keine ausreichende Sicherheit. Von den
angeblich 1000 Maklern in der Provinz Antalya sollen nur knapp
100 registrierte Makler sein und nur diese sind
vertragsberechtigt und juristisch verpflichtet. Aber es wollen
halt viele "Möchtegern-Hausvermittler" am Geschäft mit verdienen.
Um jeglichen Missverständnissen
vorzubeugen, können wir sagen, es lebt sich gut hier und das
sowohl aufs Klima bezogen, als auch im Zusammenleben mit den
Menschen. Der Kauf einer seriös vermittelten Immobilie ist
deshalb eine gute Investition.
Aus unserer Sicht ist es am
vorteilhaftesten selber zu bauen oder unter ständiger Aufsicht
nach vereinbarten Normen bauen zu lassen. Das Geld für eine
fachkundige Bauaufsicht, auf gut deutsch auch
Qualitätsmanagement genannt, zahlt sich in jedem Fall aus. Der
Ärger zur Beseitigung von Baumängeln hinterher kostet nicht nur
Nerven sondern oft ein Vielfaches dessen. |