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Ich habe ja lange überlegt, wie ich diese etwas heikle Themen angehe und sie schließlich unter dem unverfänglichen Titel "Hygiene" versteckt. Es geht um Toiletten, Müll und ähnliche Probleme...

Wer in Kemer plötzlich von einem dringenden Bedürfnis überrascht wird, kann eine der wenigen öffentlichen Toiletten aufsuchen. Das ist mehr etwas für abgehärtete Naturen. Oder man fragt in einem der Restaurants nach der "Tuvalet". Die sind aber öfters auch sehr "rustikal". Mir wurde berichtet, dass die unterirdische Toilette am Meydan (dem Platz mit dem Uhrenturm) recht gut und sauber sein soll.

Der Hinweis auf ein Klo ist gekennzeichnet durch das Schild WC oder Tuvalet. Wenn die getrennten Eingänge nicht durch Bilder gekennzeichnet sind, die mit einiger Phantasie auf Damen (z.B. Stöckelschuh) oder Herren (z.B. Pfeife) schließen lassen, so bedeutet "Bayan" Damen und "Bey" Herren.

In der Türkei gab es ursprünglich nur die "Stehklos". Eigentlich eine sehr hygienische Angelegenheit, weil man mit keinem Teil des Klosetts in Körperkontakt kommt. Für ungeübte Europäer ist die Benutzung aber oft ein gefährlicher Balanceakt. Die Auslösung der Spülung erfolgt meistens über eine Art Zugleine (Kette, Draht...) verbunden mit einem weit oben angebrachten Spülkasten. Da das, was dann folgt, unberechenbar ist, folgende Reihenfolge einhalten: Nach erfolgreicher Benutzung der Toilette Kleidung ordnen, Tasche umhängen, Tür entriegeln, Spülung betätigen und sich schnell in Sicherheit bringen. Manchmal erfolgt die Spülung auch durch einen kurzen Schlauch, der an einem Wasserhahn in Knöchelhöhe angeschlossen ist. Zu diesem Wasserhahn komme ich später noch einmal.

Inzwischen gibt es aber auch immer mehr der uns vertrauteren Sitzklos. Deren Gebrauch ist nun manchen Einheimischen völlig fremd. Fußspuren auf dem Klosettrand zeugen von dieser Unkenntnis. Der Deutsche dagegen wundert sich über eine kleine Düse am hinteren Schüsselrand. Forschende Naturen spielen vielleicht auch an dem zweiten Wasserhahn rum, der mit einer Leitung irgendwie mit dem Klosett verbunden ist und reagieren völlig überrascht, wenn sie von einem eiskalten Wasserstrahl an ihren empfindlichsten Körperteilen getroffen werden. Sie haben aber nun den Sinn dieser Installation begriffen: Es handelt sich um eine Kombination aus WC und Bidet. 

In fast jeder türkischen Toilette (zumindest bei den Damen) gibt es irgendwie die Möglichkeit sich Untenrum zu waschen. Zu diesem Zweck dient in den Stehklos auch der Wasserhahn in Knöchelhöhe gemeinsam mit einer Art Messbecher als Transporthilfe, dafür fehlt häufig das gewohnte Papier. Man (Frau) soll sich nachher spülen. Als experimentierfreudiger Mensch habe ich das natürlich auch ausprobiert, aber egal wie ich den Becher auch ansetzte, das Wasser lief nicht dahin wo ich wollte und es seinen Zweck erfüllen könnte. Ich fragte also schließlich meine türkische Freundin, wie man das richtig machen sollte. Die erklärte mir: "Weißt du, die türkischen Frauen sind wegen der Reinlichkeit Untenrum alle enthaart, und dann läuft das Wasser auch dahin wo es soll!" Aha, wir bleiben also doch lieber beim Papier.

Duschen

Und wo wir schon mal beim Waschen sind... In sehr vielen Häusern und auch Hotels wird das warme Wasser umweltschonend und energiesparend durch Solarheizung erwärmt. Man hat nur einmal die Kosten der Installation (pro Haus unter 1000 Euro) und dann immer warmes Wasser umsonst. Dafür sind die Blechtonnen oben auf den Dächern gedacht (Die Solarkollektoren sieht man oft nicht). Die meisten Solaranlagen sind einfache Schwerkraftanlagen, warmes Wasser aus den Kollektoren steigt nach oben in den unteren der beiden Tanks. Aus dem oberen Tank läuft bei Verbrauch kaltes Wasser nach, wird erhitzt und so weiter. Wenn das Wasser den ganzen Tag lang durch die Sonne erhitzt worden ist, kann es kochend heiß werden. 

Da das warme Wasser aus dem Tank ohne Druck in die Hausanlage fließt (nur durch die Schwerkraft vom Dach aus), das kalte Wasser aber den Druck der Stadtleitung hat, drängelt sich das kalte Wasser ganz leicht vor. Man hat also entweder eiskaltes oder kochendheißes Wasser zum Duschen. Die Feinabstimmung ist oft recht schwierig. Manchmal reicht schon die Bewegung des Duschkopfes aus Kniehöhe nach oben über die Schultern, um das warme Wasser wieder zu verdrängen. Oft muss man auch erst eine ganze Zeit lang das Wasser laufen lassen, bis das kalte Wasser aus den Rohren abgelaufen ist. Man denkt sich also nichts Böses (kein warmes Wasser da - Pech) und plötzlich kommt es kochendheiß. Besonders Kinder können das nicht regulieren und sich sehr leicht verbrühen. Übrigens bedeuten die blauen und roten Knöpfe an den Hähnen noch lange nicht, das aus blau auch kaltes und rot warmes Wasser kommt, es kann genauso gut umgekehrt sein. Wenn nachmittags alle Hotelgäste vom Strand kommen und duschen, ist das tagsüber erwärmte Wasser irgendwann verbraucht, kein böser Wille der Hotelbetreiber sondern ein Tribut an den Umweltschutz. Wer ausgiebig heiß duschen will, sollte das um die Mittagszeit machen. Für bewölkte Tage im Winter haben wir eine elektrische Zusatzheizung im Warmwassertank, ein echter Stromfresser, der nur im Notfall eingeschaltet wird. Ich glaube, wer versteht, wie die Warmwasserbereitung funktioniert, wird sich eher an ihre leichten Schwächen gewöhnen - Energie sparen wollen wir doch schließlich alle.

Müll

Ein leidiges Thema ist auch immer wieder der Müll. Im Prinzip hat Kemer ein besonders gutes Müll-Entsorgungs-System. Der anfallende Müll wird getrennt gesammelt (Verpackungen und Kompostierbares) und in die Müll-Fabrik nach Kuzdere gebracht. Dort werden per Hand Wertstoffe (Blech, Glas, PET-Flaschen, Papier etc.) aussortiert und recycled. Alles Kompostierbare wird durch besondere Verfahren verrottet und später als Dünger verkauft. Die Müllautos fahren täglich, abends bis in die Nacht hinein ihre Routen ab, meist zu zweit, einer für Verpackungen der zweite Wagen für Kompostierbares. Die Müllcontainer stehen frei zugänglich am Straßenrand, ebenfalls paarweise für die verschiedenen Müllsorten. Die Bezahlung der Müllentsorgung läuft über das Wassergeld (Wer Wasser verbraucht, produziert auch Müll...) und ist nicht haushaltsabhängig. Nach Aussagen der Betreiber der Müllfabrik läuft die Mülltrennung in den Hotels sehr gut, dadurch sind 80% des anfallenden Mülls ordentlich getrennt, die restlichen 20% fallen in den Privathaushalten an und hier wird nicht getrennt, man schmeißt alles so wie es kommt irgendwie in die Container und auch daneben. Hier ist noch viel Erziehungsarbeit zu leisten. Freilaufende Katzen haben in den Müllcontainern ihre Futterstellen gefunden, wenn man einen Müllbeutel reinwirft springen manchmal bis zu fünf Katzen raus. Tipp, erst gegen den Container klopfen, um ihnen eine Chance zur Flucht zu geben!

Allerdings hat die Ende der 90er Jahre eröffnete Müll-Fabrik (Cöp-Fabrikasi) auch einen gravierenden Nachteil - sie stinkt! Besonders in den Sommer Monaten kommt es in der näheren und weiteren Umgebung (bis nach Kiris hinein) zu einer erheblichen Geruchsbelästigung. Offensichtlich sind die Filteranlagen nicht ausreichend dimensioniert und arbeiten auch nicht einwandfrei. Damit die Mitarbeiter in den großen Hallen nicht reihenweise umfallen, lässt man oft tageweise die großen Tore offen, die eigentlich nur für die Zulieferung geöffnet werden sollen. Der Gestank breitet sich bei entsprechender Windlage kilometerweit aus. Hotelgäste, die von diesem Geruch belästigt werden, sollten sich am Besten schriftlich bei der Hotelleitung beschweren. Nur so haben die Hotels ein Druckmittel gegen die Stadtverwaltung in der Hand und vielleicht wird dann endlich mal für Abhilfe gesorgt.

In Kemer hat man inzwischen wieder Papierkörbe aufgestellt - eine Zeitlang gab es keine weil man Attentate befürchtete - allerdings sind viele schon kaputt, für die Zigarettenkippen gibt es keinen Platz, da der Aschenbechereinsatz in der Regel fehlt. Wirft man die glimmende Kippe aber in den Papierkorb, kann alles Feuer fangen.

Trotz der umfassenden Müll-Entsorgung findet man immer wieder wilde Müllkippen im Wald oder an den Flussufern. Wenn es irgendwo ein Loch gibt, wird es mit Müll aufgefüllt, alte Gewohnheiten sterben hart. Nach den neuen Umweltschutzgesetzen drohen Strafen um 1000 Euro für wilde Müllentsorgung, aber es wird noch viel zu sehr weggeschaut. Der eigene Garten wird sauber gemacht, aber der Müll einfach über den Zaun in die Gegend gekippt. Doch ganz langsam findet auch hier ein Umdenken statt, so hat erst kürzlich einer unserer Nachbarn, der mit seinen Ziegen im Wald war, einen Traktorfahrer mit einer Ladung Müll zum Umkehren bewegt, damit der Wald sauber bleibt. Die Schulkinder werden zum Schutz der Umwelt erzogen und ziehen immer wieder mal gemeinsam aus, um ein Stück öffentlichen Strand, einen Park oder ein Waldstück vom Müll zu befreien. Auch die Führer der Bootstouren achten darauf, dass kein Müll über Bord geht, sondern im Hafen entsorgt wird. Ein Kapitän sagte uns: "Die europäischen Touristen würden ein furchtbares Geschrei anstimmen, wenn ich Müll über Bord werfen würde, die wollen so was nicht haben!" Hoffen wir, dass sich das irgendwann auch auf den kleineren Privatbooten rumspricht und keine Müllwellen mehr an den Strand gespült werden.