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Eine tolle Querfeldeintour kann man mit Mustafa Keskin unternehmen. Er ist ein Nachbar von uns und hatte schon vor Jahren die Idee alte UNIMOGS (Baujahr 1974!) für den Personentransport herzurichten. Auch große Reiseveranstalter z.B. TUI haben seine Touren im Angebot. Alle Teilnehmer werden am Hotel abgeholt und abends dort auch wieder abgeliefert. Man muss vorausschicken: wer leicht seekrank wird, sollte lieber zu Hause bleiben. Die anderen werden ihnen jedoch sicherlich von tollen Eindrücken berichten können.

 

Gestern nun war Joe mit ihm unterwegs. Wie Mustafa seinen „lieben Leuten“ mit rollendem „R“ aber in sehr gutem Deutsch erklärt, ist es seine ganz persönliche „Land und Leute“ Tour und es ist eine solche, garantiert. Da wird nichts beschönigt und die sprichwörtlich offene und herzliche Art der Einwohner wird hautnah erlebbar. Keine verkappte Kaffeefahrt mit Einkaufsmöglichkeiten. Welch ein angenehmer Kontrast zu den Gepflogenheiten in den Touristenhochburgen.

Die malerisch raue Natur wird auf der im Bergvorland gewählten Route, mit allen Sinnen auf Sie einwirken. Ihr Verlauf ist natürlich geheim, dadurch man hat die Gewähr weder von Jeepsafaris noch von den stinkenden Quads behelligt zu werden. Augen und Ohren werden Sie mit unvergesslichen Impressionen füttern und auch die Gleichgewichtsorgane, Steißbein natürlich nicht ausgenommen, liefern Reize, die den Damen manchen Jauchzer entlockten.

Wir sind etwa 40 km auf der Fernstraße in Richtung Kumluca gefahren. Hier kann man hin und wieder noch einen Blick aufs Meer erhaschen. Dann geht es westwärts, um sich im wahrsten Sinne des Wortes seitwärts in die Büsche zu schlagen. Es wird ein Zwischenstopp bei einem Bauergehöft gemacht und je nach Jahreszeit darf man frisches Obst selber pflücken. Tee wird serviert, natürlich der traditionell schwarze. Der Hausherr will immer wissen woher man kommt und auch für die Berufe interessiert er sich.

Durch ein romantisches Tal, das hin und wieder mit weniger schönen Gewächshäusern gespickt ist, (Sie wissen inzwischen aber warum es zu einem Wahrzeichen für diese Region geworden ist, denn Mustafa hat es bereits erklärt), brummen wir weiter. Um zu zeigen was sich darin tut wird ein Stopp bei einer Familie eingelegt, die in einem solchen Tomaten anbaut. Die Verkostung ist natürlich inklusive. Man kann nur sagen, lecker!

Weiter holpern wir über für normale Autofahrer unpassierbare Pfade, die sonst nur von den Holzarbeitern benutzt werden, um in einem finsteren „Tann“ Halt zu machen. Was nun folgt ist eine Art Kleintierjagd. Man erfährt sehr viel über Skorpione. Auch hier ist Mustafa ein Meister der Dressur und der Erzählkunst. Mehr wird nicht verraten.

Und auch die Natur hat wieder einmal zugeschlagen, wie wir bald merken, als wir weiter rumpeln. Der Regen hat tiefe Furchen in den Weg gewaschen und alle müssen anpacken, um diese mit Steinen aufzufüllen. Das kommt immer wieder vor, wird uns eilfertig versichert und einigen wird inzwischen doch schon etwas bange, denn es geht immer weiter und sehr nahe an tiefen Abgründen vorbei..

Unterwegs sehen wir blühende Almen und auch die einfachen Gehöfte von Bergbauern. Aber Mustafa hat ja vorgesorgt und so erhalten nicht nur die Kinder kleine Gaben, seien es nun Brot oder Süßigkeiten. Seine Unimogs sind die einzigen Fahrzeuge, die hier regelmäßig vorbeikommen und da werden auch schon mal Einkäufe für die Bauern erledigt und abgeliefert. Alles ist sehr natürlich und in unseren Augen denn auch mehr als rustikal.

Nach dem Passieren unzähliger Bachläufe, teils trocken teils mäßig gefüllt, erreichen wir heftigst durchgerüttelt wieder die Fernstraße und wem nicht schlecht geworden ist, dem kündigt ein knurrender Magen die nächste Rast an. Es wird nun ein Forellenhof in Ulupinar angesteuert. Wir werden aufs höflichste im Cinar Restaurant begrüßt und zu sehen gibt es auch eine Menge. Jetzt wissen wir auch, wo wir nächstes Mal einen Sivesterkarpfen bekommen können. Es wird reichlich aufgetischt und man kann typisch türkische Vorspeisen genießen. Die Forelle, natürlich entgrätet, wird in einem heißen Steintopf serviert und mit einer speziellen Soße gewürzt. Darauf weist Mustafa mit stolz geschwellter Brust ganz besonders hin, hat er diese doch selber erfunden und auch noch selbst zubereitet. Es ist ein wahres Festmahl. Für den die Forelle verschmähenden Teil der Truppe, welch armselige Gourmets, gibt es Hühnerspieße vom Grill.

Zurück auf die Fernstraße und durch Camyuva hindurch folgt der letzte Teil der Tour. Die Ersten sind inzwischen sanft entschlummert, was wohl auch der glatten Straße und dem sonoren Knattern des Motors zu verdanken ist. Sie werden jäh aus ihren Träumen gerissen als es wieder steil bergauf geht. Das letzte Highlight wartet auf dem Wahrzeichen von Kemer, der hohen Klippe auf der man die Funktürme sieht. Wer tagsüber angekommen ist, konnte diese schon von Antalya aus erkennen. Leider ist die Sicht eingetrübt und so sind weder Antalya noch die Berge dahinter zu erkennen, bei klarem Wetter ist die Sicht von hier oben einfach grandios. Kemer und die angrenzenden Orte lassen sich aber gut beobachten und der steil abfallende Hang verschlägt einigen den Atem.

Dann geht es abwärts und zurück zu den Hotels. Es war für alle ein beeindruckendes Erlebnis und noch ein kleines „Trinkgeld“ wert. Auch Joe kam, halb benommen und erstaunlicherweise auch immer noch satt, wieder zu Hause an und benötigte neben meinen vielen Fragen erstmal eine beruhigende Stärkung.

Er war tief beeindruckt von den fahrerischen Leistungen der Crew und als gelernter Motorenschlosser noch mehr von der Ausdauer der doch schon etwas betagten UNIMOG’s, die unter mächtigen Motorengeheul und rasselnder Kupplung bis aufs Blut, gemeint ist natürlich das kochende Öl, gepeinigt, ohne Versagen über schier unpassierbare Wege getrieben wurden. Mercedes könnte eigentlich wegen beider Leistungen mächtig stolz sein und sollte vielleicht mal ein paar Ersatzteile sponsern!

Fazit: Ein Erlebnis der besonderen Art!